Die Geschichte des Mac

Dieser Bereich meiner Website ist ganz einer Computer-Plattform gewidmet: dem Apple Macintosh. Die Macintosh-Plattform hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Der 1984 vorgestellte Apple Macintosh war der erste serienproduzierte Personalcomputer mit grafischer Oberfläche und Mausbedienung. Jahrelang verkauften sich Macs vor allem im Bildungsbereich und in der grafischen Industrie wie geschnitten Brot, während der Markt für Büroanwendungen fest in der Hand des Konkurrenten IBM war. Die IBM-Rechner benutzten das Betriebssystem MS-DOS, das - vereinfacht gesagt - die komplexe und textlastige Bedienung eines UNIX-Systems mit den Beschränkungen einer (noch nicht vorhandenen) grafischen Oberfläche verband.

MS-DOS wurde von der Firma Microsoft produziert, die nach jahrelangen, halbherzigen Versuchen mit Zusatzprogrammen 1995 (elf Jahre nach der Einführung des Macintosh) ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche vorstellte. Tatsächlich steckte auch in Windows 95 nichts anderes als das alte DOS, und es sollte noch einige Jahre dauern, bis ein Großteil des antiquierten Codes aus den folgenden Windows-Versionen verschwunden war.

Auf Grund der Verbreitung von MS-DOS und eines geschickten Marketings (sowie sehr brachialer Verhandlungsmethoden) stieg der Marktanteil von Windows stetig an. Davon profitierte vor allem Microsoft – nicht der Computerriese IBM. Dem Microsoft-Gründer Bill Gates war Anfang der 80er Jahre in den Verhandlungen mit IBM über MS-DOS ein genialer Schachzug gelungen: Er hatte dem Konzern nicht die Software verkauft, sondern lediglich die Lizenz, MS-DOS auf IBM-Computern zu installieren. Microsoft behielt das Recht, die Software weiterzuentwickeln und Lizenzen an andere Hersteller zu vergeben. Dadurch konnte der kleine Software-Hersteller die Marktmacht von IBM – der Name IBM stand seit Jahrzehnten für solide Schreibmaschinen und Lochkartenleser – nutzen, um einen Standard für Bürocomputer zu etablieren.

Schon in den 80er Jahren begann Microsoft, aus dem vorteilhaften Deal Kapital zu schlagen und Lizenzen für MS-DOS an andere Hersteller zu vergeben. Anfangs wurden diese Computer noch als „IBM-kompatibel“ vermarktet, aber schon bald wurde MS-DOS (und später Windows) zum Standard, unabhängig vom Hersteller des Computer selbst. Allein dem Chiphersteller Intel gelang es, eine ähnliche Monopolstellung wie Microsoft zu erreichen. Gegen DOS-kompatible Betriebssysteme kleiner Softwarefirmen setzte sich Microsoft juristisch und durch Knebelverträge mit den Hardware-Herstellern zur Wehr. Die Microsoft-Chefs hatten am Beispiel IBMs gerade erst verfolgen können, wie schnell ein preiswerteres Produkt mit gleicher Leistung die übermächtige Stellung eines Anbieters ruinieren kann.

Während der Marktanteil von Windows im Bürobereich nahezu 100% erreichte, tröstete sich Apple mit den Erfolgen im Bildungsbereich und der grafischen Industrie. Zudem stellte Apple sowohl die Macintosh-Computer selbst als auch das dazugehörige Betriebsystem (Mac OS) her. Mitte der 90er Jahre war Mac OS dem Konkurrenzprodukt Windows 95 weit überlegen. Microsofts Versuch, die durchdachte Oberfläche des Mac OS zu kopieren, war gescheitert. Aber gerade das Bewusstsein, ein besseres Produkt anbieten zu können als der Konkurrent, war verhängnisvoll. Den nicht das ansprechende Design der Macs oder die reibungslose Integration von Hard- und Software bestimmte die Kaufentscheidungen vieler Computernutzer, sondern vor allem der Preis und die Kompatibilität mit dem Standard der Bürowelt: MS-DOS / Microsoft Windows.

Angesichts des rapide schrumpfenden Marktanteils versuchte sich nun Apple mit der Strategie des Konkurrenten und vergab Lizenzen an Hardware-Hersteller. Die Mac-Klone steigerten zwar den Mac-Markanteil leicht, sorgten aber vor allem für sinkende Hardware-Verkäufe bei Apple selbst. Nach einigen Jahren wurde das Experiment deshalb beendet, ohne dass sich an der Gesamtsituation viel geändert hätte. Dafür trat gegen Ende der 90er Jahre trat mit Michael Dell ein weiterer Konkurrent im Hardware-Bereich auf den Plan. Dell griff Apple frontal im Bildungsbereich, an: Er verkaufte solide Computer mit dem Windows-Betriebssystem zu sehr günstigen Preisen direkt ab Werk und räumte Bildungseinrichtungen hohe Rabatte ein. Gleichzeitig begannen die Hersteller von Grafik- und Layoutsoftware, sich auf die veränderte Marktlage einzustellen: Adobe, Quark und Macromedia entwickelten neue Versionen ihrer Standardprogramme zunehmend mit Blick auf die Windows-Plattform.

Mittlerweile hatte sich auch Windows weiterentwickelt und war – trotz der nach wie vor mangelhaften Oberfläche – dem Mac OS in den Bereichen Stabilität und Geschwindigkeit überlegen. Darüber hinaus entwickelte sich die enge Bindung an den Chiphersteller Motorola zum Problem: Dessen PowerPC-Chips fielen im Rennen um höhere Taktraten im Vergleich mit den Konkurrenten Intel und AMD immer weiter zurück, so dass Macs im direkten Vergleich nicht nur teurer, sondern auch langsamer als Windows-PCs waren.

In dieser Situation entschied sich Apple für einen radikalen Schritt: Die Entwicklung des traditionellen Mac OS wurde beendet, und an seine Stelle trat Mac OS X. Dieses Betriebssystem basierte auf der UNIX-Variante BSD (Berkeley Source Distribution) und wurde durch eine grafische Oberfläche (Aqua) an die Gewohnheiten der Macintosh-Nutzer angepasst. Mac OS X erschloss Apple einen völlig neuen Kundenkreis: technisch versierte Nutzer, die Wert auf Stabilität und Erweiterbarkeit des Systems legen.

Mac OS X ist also das Ergebnis einer langen Reise. Ursprünglich sollte der Macintosh die Benutzer erlösen von kryptischen Befehlen und einer computer-zentrierten Bedienung und stattdessen eine einfache, übersichtliche Oberfläche schaffen, auf der der Mensch mit einem kleinen Pfeil auf die Dinge zeigt, die er benutzen möchte. Andere Hersteller (IBM mit OS/2, Microsoft mit Windows) übernahmen diese Idee, und das Konzept der grafischen Benutzeroberfläche (GUI) begann seinen Siegeszug um die Welt.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass eine GUI nicht für alle Zwecke die beste Lösung ist. Viele Computerexperten sperrten sich gegen die bunten Maus- und Iconwelten mit dem Argument, mit einem durchdachten Kommandozeilen-Interface (CLI) und den entsprechenden Tools ließen sich viele Aufgaben erheblich schneller erledigen.

Hinter der Auseinandersetzung GUI - CLI steht die Frage: Wie weit will ich mich dem Computer anpassen, um im Gegenzug Aufgaben schneller lösen zu können? Bis vor einigen Jahren gab es keinen echten Kompromiss: Geeks benutzten UNIX, normale Menschen Macs oder Windows-PCs. Seit der Verbesserung der grafischen Oberflächen für UNIX-Systeme wie Linux zeichnete sich allerdings bereits ab, dass die Nutzerin best of both worlds haben kann.

Mac OS X vereint die Vorteile etablierter GUI-Systeme mit der Flexibilität und Stabilität von UNIX. Es enthält einen BSD-Kernel, der mit einer grafischen Aqua-Oberfläche versehen wurde. Das Ergebnis: Die Nutzerin kann den UNIX-Kern ignorieren, wenn sie möchte. Sie kann aber auch über das Terminal tief in die Katakomben steigen und Programme wie awk, grep und vi in ihre Obhut nehmen. Auch Datenbanksysteme wie mySQL und Programmiersprachen wie Perl sind bereits in Mac OS X enthalten.

Das ist die heutige Situation. Im Hardware-Bereich wendet sich Apple langsam von Motorola zu einem anderen Mitglied der PowerPC-Allianz – dem ehemaligen Konkurrenten IBM. Apple und IBM verbindet nun die gemeinsame Gegnerschaft zu Microsoft – und IBM propagiert eine UNIX-Derivation: Linux, die populäre, kostenlose UNIX-Variante von Linus Torvalds. Damit stehen zwei der Protagonisten der PC-Revolution gemeinsam im UNIX-Lager – gegen die Dominanz von Microsoft Windows.